Stress, Trauma und Resilienz

Obwohl wir heute den ursprünglichen Stressfaktoren kaum noch ausgesetzt sind, fühlen sich viele Menschen gestresster denn je. In unserer modernen, digitalen Welt gehört Stress zum Alltag dazu. Unser Leben ist durch Entwicklungen in Technik und Wissenschaft hektischer geworden.

Wir empfinden mehr psychosozialen Stress: Dauernde Erreichbarkeit, Anforderungsprofile in Beziehungen, Generationenwechsel in der Arbeitswelt, individuelle Freiheit und Meinungsverschiedenheiten können unter anderem als Stressfaktoren erlebt werden. 

#01   Stress als Schutzmechanismus

Stress ist zunächst etwas ganz Natürliches, es handelt sich um einen lebensnotwendigen Alarmzustand, welcher den Körper vor Bedrohung oder in einer Bedrohung schützen soll.

Im Körper wird das vegetative Nervensystem aktiviert und wir kommen in die Bereitschaft kämpfen zu können, flüchten zu können, „einzufrieren“/Schockstarre mit der Steigerung eines „shut-down“ herbeizuführen, ähnlich des Todstell-Reflexes in der Tierwelt. 

Dies hatte in früheren Zeiten und hat auch heute noch in lebensbedrohlichen Situationen eine erhebliche Steigerung der Überlebenschancen zur Folge und ist somit zunächst „nur“ ein überlebensnotwendiger Schutzmechanismus des Körpers.

#02  Stress als „Antrieb“ oder als Zustand erhöhter Achtsamkeit

Stress kann somit etwa bei brenzligen Situationen im Straßenverkehr, vor einem wichtigen Auftritt oder beim Sport sehr förderlich sein. 

Diese positive Art des Stresses wird auch Eustress genannt. Die Einteilung in positiven und negativen Stress – Distress – erfolgt subjektiv und wird von jedem Menschen individuell bewertet.

#03  Anspannung-Entspannung als natürlicher Prozess

Entspannungsphasen sind wichtig als natürlicher Gegenpol zu Aktivitätsphasen. Nach jeder Stressphase folgt in der Natur eine Entspannungsphase, um Energien wieder zu bereinigen oder einen Ausgleich zu schaffen.  

Wir kennen das „reinigende Gewitter“, welches „Aufgestautes“ in der Atmosphäre abbaut. Wir kennen die polaren Zustände zum Beispiel von Tag und Nacht, von Einatem und Ausatem, von Herzpump-Bewegungen.

Der Begriff Systole bezeichnet bei den Pumpbewegungen des Herzens die Phase, in dem das Herz sich zusammenzieht und dadurch das Blut in den Körperkreislauf pumpt. Die Erschlaffungsphase wird dagegen als Diastole bezeichnet. Beide Phasen finden im Wechsel statt und sind absolute Voraussetzung für eine gesunde Herzleistung.

#04  Multistressoren

Ein besonders starker Faktor für die Entstehung von chronischem Stress sind sogenannte „Multi-Stresssoren“:

Mehrere potentielle Stressquellen, die gleichzeitig auf unser System einwirken und in unserem innenpsychischen System Stress erzeugen. Das können zum Beispiel finanzielle oder berufliche Ängste sein, Zeitdruck, hinzukommend noch Stress in Beziehungen.

Verstärkt werden äußere Faktoren zusätzlich durch Prophezeihungen oder Medienwirksamkeit bezüglich Pandemie oder Energiekrise.

#05   Symptome von chronischem Stress

Stresssymptome können sich vielfältig zeigen:

Ängstlichkeit bis zur Panikattacke
Nervosität, Unruhe
Konzentrationsstörungen
Schlafstörungen
Herzdruck/Herzrhythmusstörungen
weitere Körpersymptome wie Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Darmprobleme, Immundefizite, Hautirritationen & vieles mehr.

#06  Schock früher und heute

In Schockmomenten oder durch erworbene oder erlernte Missachtung von eigenen Körperimpulsen, halten wir einen Zustand von Alarmbereitschaft im Körper aufrecht.

Der Blutdruck oder die Ausschüttung stressbedingter Hormone, der Muskeltonus zum Beispiel bleiben auf hohem Stress-Level-Niveau.

#07  Unverarbeitete Stress-Momente des Lebens – Traumata

Medizin und Psychologie beteuern zwar immer wieder, wie wichtig die Beziehung zwischen Geist und Körper sei, doch wird diese Bedeutung bei der Heilung von Traumata nach wie vor unterschätzt. Traumatische Erfahrungen sind wie „eingefurchte Spuren“ auf der Landkarte unseres „psycho-neuro-immuno-endokrino-Systems“ zu verzeichnen.

#08  Denken erzeugt Abstand und lässt Wahlfreiheit zu

Das bewusste Denkvermögen scheint bei der Verarbeitung von Stress eher eine späte Dreingabe der Evolution zu sein. Durch das Denken wird ein gewisser Spielraum geschaffen, nicht unmittelbar reagieren und sofort reagieren zu müssen.

In lebensbedrohlichen Situationen bleibt meist keine Zeit zum Nachdenken, so arbeitet der Körper in seinem Wahrnehmungsvermögen und speichert Erfahrungen in den Körperstrukturen ab.

Das Unbewusste regiert das Bewusste: Unsere frühen Erfahrungen, bilden die Grundlage für das, was wir als Erwachsene empfinden, fühlen und daher auch denken.

#09   Exkurs: Das ganzheitlich innere Empfinden

Über Neuropeptid-Botenstoffe kommunizieren Geist und Körper über eine Vielzahl von Verbindungswegen.

Mit „Felt Sense“ ist das  „Gespürtes Wissen“ oder eine „gefühlte Bedeutung“ gemeint, die wir unter anderm über Propriorezeptoren wahrnehmen. 

Propriorezeptoren sind Messfühler von Regelkreisen im gesamten System, die unter anderm unsere innere/n Haltungssinne überwachen.

In vielen Parallel-Prozessen/Zuständen des Nervensystems wird registriert, koordiniert, beeinflusst und gesteuert. Durch „Spiegelneuronen“ werden zum Beispiel die Seelen-Zustände anderer Menschen in uns simuliert.

#10  Wahrnehmend, fühlend, wissend und lebendig 

Unser Organismus ist ein wahrnehmender, fühlender, wissender und lebender Organismus. Dieser lebende Körper, der uns mit allen fühlenden Wesen verbindet, informiert uns über unsere angeborene Fähigkeit, von den Auswirkungen eines Traumas zu genesen.

Wir empfangen Weisheit, wenn wir lernen, die ehrwürdigen, ursprünglichen und intelligenten Energien unseres Körpers zu nutzen und zu transformieren. Gelingt es uns, die zerstörerische Kraft des Traumas zu überwinden, kann sich unser angeborenes Potential in neue Höhen erheben.

#11  Resilienz

Probleme und Krisen gibt es im Leben eines jeden Menschen. An Krisen kann man sogar wachsen.

Warum aber gelingt dies manchen Menschen nicht?
Warum führt eine aktuelle Krise sie immer tiefer in einen seelischen Abgrund?
Warum führen ihre Beziehungen stets in ein Chaos?

#12  Resilienz nach schwierigen Situationen 

Resilienz nennen Psychologen die eigene Kraft aus einer schwierigen Situation wieder ins volle Leben zurückzukehren.

In Fachkreisen bezeichnet man Menschen, die sich von traumatischen Ereignissen und Schicksalsschlägen wieder gut erholen, als resilient.

Der Begriff stammt aus der Materialkunde und bezeichnet Stoffe, die auch nach extremer Spannung wieder in ihren Ursprungszustand zurückkehren, wie zum Beispiel Gummi.

Resilienten Menschen gelingt es, sich nach einer gewissen Zeit nach einem Stressmoment oder einer Verlusterfahrung wieder aufzurichten und ihr Leben weiter zu führen. Wie lange dies dauern kann, ist durch individuelles Empfinden bestimmt.

#13  Resilienzforschung

Resiliente Menschen akzeptieren ihr Schicksal, laufen nicht weg, bauen auf soziale Kontakte, bleiben optimistisch. Sie sichern ihr Überleben in schwierigen Lebenssituationen auf eine gute Art.

Das Kohärenzgefühl unterstützt einen Menschen darin, dass Erfahrungen als verstehbar, handhabbar und sinnvoll gesehen werden können.

Das würde bedeuten, dass etwas in uns die Kraft aufbringen kann, dem Schicksal gegenüber „größer“ bleiben zu können –

mit den Augen eines Menschen, der viele Erfahrungen in seinem Leben gemacht hat, gute, weniger gute und schlimme – alle Erfahrungen sind dabei Teil des Lebens.

Die emotionale Reserve der Seele ist ein Funke in dir, dass positive Kräfte in dir wirken können, ein inneres Gefühl, empfangen und gedeihen zu können und liebenswert zu sein.

#14  Die eigene Resilienz stärken

Die Möglichkeiten um die eigene Resilienz zu stärken sind vielfältig. Die tibetische Medizin verfolgt hierbei einen Ansatz namens „Semde“. Mentale Gelassenheit beruht demnach auf 3 Säulen. Der Fokus liegt somit nicht nur auf der Psyche, sondern auch Verdauung und Immunsystem werden berücksichtigt.

Dies beruht auf der Erkenntnis, dass Psyche, Verdauung und Immunsystem sich gegenseitig beeinflussen. So sendet etwa der Vagusnerv im Gehirn hormonelle Signale an die Verdauung, diese wird wiederum stark durch das Immunsystem beeinflusst, da das darmassoziierte Lymphgewebe mit 70% einen hohen Anteil am gesamten Immunsystem hat.

#15  Stress-Momente aus der Vergangenheit „stören“ im Heute

Die vollständige oder weitgehendste Heilung eines Traumas wird niemals gelingen, wenn nicht gleichzeitig die wichtige Rolle, die der Körper selbst bei der Entstehung des überfordernden Geschehens /dieser Störung spielt, gesehen und in der wahrnehmenden Betrachtung einbezogen wird.

#16  Das Trauma liegt in der Zeit weiter zurück

In einer traumatischen Situation in der Vergangenheit blieben kleine Seelenkinder von dir zum Beispiel in einer gehetzten Situation, einem Verlustschmerz oder ähnlichem alleine und hilflos zurück. Zum damaligen Zeitpunkt musste sich dein System beruhigen, selbst regulieren, um zu überleben.

Überlebensdienlich war zum damaligen Zeitpunkt zum Beispiel zu verstummen, laut zu schreien, innerlich zusammenzubrechen oder sich extra hart und stählern zu machen. Dieser Überlebensanteil kann heute noch die Notstrategie sein, um sich in stressigen Situationen abzusichern, so dass die Körperzustände aus vorheriger Zeit nicht noch einmal dein Nervensystem überfluten.

#17  Überlebens-Stragien werden mitgenommen in das heutige und zukünftige Leben hinein

Während das Überlebens-Ich älter wird, bleibt das Trauma-Ich immer so alt, wie es zum Zeitpunkt der traumatischen Erfahrungen war.

Aufgrund dieser Abspaltung und der Angst oder der Abwehr vor dieser Situation und einer möglichen Wiederholung des Szenarios, kann das Trauma-Seelen-Kind keine neuen Erfahrungen machen.

Das Traurige ist, dass im Abgespaltenen auch das ursprünglich Gesunde verschlossen aufbewahrt wird: All die Liebe und die Trauer über das Geschehen. Das Leid mit den verschiedenen Schattierungen und Zwischenformen.

#18  Teilweise erinnert

Auch bei partieller Erinnerung fehlt meist der innere/emotionale Bezug zu der Verlusterfahrung. 

Der Umgang mit Gefühlen kann dadurch zu einer generellen Schwierigkeit für das Überlebens-Ich werden. Das ÜberlebensIch wird zu einer Art Wächter: Es muss alle Aufmerksamkeit und Energie darauf verwenden, dass traumatische Erinnerung und bewusste Erfahrung nicht wieder zusammenkommen.

#19  Zur inneren Kraft zurückkehren

Die verlorenen gesunden Anteile zurückzuholen aus der Vereisung, aus der Starre, aus dem Schock gelingt über eine sehr achtsame gute Kommunikation mit diesen inneren „Seelenkindern“.

Es ist ein Prozess, der vielleicht Mut erfordert, jedoch sehr viel Kraft und das Schürfen nach Gold im eigenen Potenzial in Aussicht stellt. 

Meist ist hierzu eine Wegbegleitung durch Beratung oder Therapie hilfreich, um immer wieder zwischen dem fühlenden inneren Anteil und dem kognitiven Verständnis hin und her zu gehen und wachsen zu können in diesem Prozess.

#20  Erkenntnisse der modernen Gehirnforschung

„Gene wirken nicht unveränderbar, sie werden situationsabhängig an- und ausgeschaltet“.

Schwierige Situationen in der Kindheit werden von manchen Menschen unfassbar stark überwunden. Die Beschreibung vom „Tellerwäscher zum Millionär“ mag ein Beispiel dafür sein. Auch Menschen, die unter den schlimmsten Umständen den Funke der Liebe und den Funke des Lichtvollen in sich weitertragen sind Zeugen von Überwindung der Hürden.

#21  Die Wege der Selbstheilung 

Die Quantenphysik lehrt uns, dass zu jedem Zeitpunkt „alles“ möglich/e Potenzial Wirklichkeit sein kann.

Du kannst im Hier und Jetzt alles dafür tun, um dich fürsorglich um dich selbst zu kümmern und den Anteilen des „hausgemachten“ Stress die Wirkkräfte entziehen.

Beziehungen schenken dir großes Glück, sind jedoch auch Grund für die leidvollsten Erfahrungen, die du machst. Deine Bezüge zu anderen Menschen zu klären ist Teil deiner Lebensaufgabe:

Ob es die Beziehungen innerhalb deines Herkunftsfamiliensystems betrifft, oder deine jetzige Familie, deine Patchwork-Familie, deine Bezüge in der Arbeitswelt oder im Freizeitkontext.

#22 Herausforderungen begegnen 

Herausforderungen lassen sich reduzieren durch strukturiertes Arbeiten:

Verbessere deine Organisation in Berufs,- und Alltagsleben, indem du dir zum Beispiel für jeden Tag eine Liste mit anstehenden Erledigungen schreibst, sortiere diese  am besten nach Tageszeit oder Dringlichkeit. So kannst du dich bewusster deinem Alltag stellen und dir einen Überblick verschaffen.

Stärke deine „Coping-Fähigkeit“:

Dies ist die Art des Umgangs mit einem als bedeutsam und schwierig empfunden Lebensereignis oder einer Lebensphase. Es geht darum, die Verursachungen von Stress in deinem Leben mehr und mehr zu verstehen.

Werde dir deiner Stressfaktoren und Triggerpunkte bewusst:

Du kannst wieder das Steuer übernehmen und Gefühle der Überforderung in deinem Alltag wieder in eine konstruktive Richtung lenken.

Führe verlorenen gegangene Kräfte liebevoll und achtsam zurück zu deinem natürliches Wesens. Diese Bündelung der Kräfte beherbergt alle Erfahrungen mit Gleichmut in sich. Sie pflegt, schützt und bewahrt deinen innersten Kern und dein persönliche Stärke:

Entspannungsmethoden, bewusste Atemführung, Körperachtsamkeit auch in Bewegungsabläufen, Meditation, abendliche Psychohygiene – all dies sind Basics für eine tägliche Stärkung deines Nerven-/Systems und geben dir Sicherheit im Umgang mit täglichen Stress-Situationen. 

Ist in deinem Alltag genug Platz für Entspannungsphasen, um neue Kraft zu tanken?

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