Kritik – im Innen und im Außen

Jeder von uns kennt sie, innere Kritiker und äußere Kritiker. Sie mischen sich ein in unser Denken und Handeln. Ungefragt geben sie uns gut gemeinte Ratschläge und ermahnen uns: Du musst! Du sollst! Du kannst doch nicht!

Kritiker erscheinen wie gute Freunde, die uns vermeintlich davor schützen gänzlich unterzugehen. Tatsächlich wirkt ein/e KritikerIn eher wie eine angezogene Handbremse.

Objektiv nicht wirklich vorhandene Grenzen werden als scheinbar wichtige herangezogen und sind oft Ursache für mentale und in Folge emotionale Blockaden. In der Steigerung ist Kritik am anderen einer der größten Feinde des Vertrauens und der Liebe.

#01  Das Kritik-Monster kommt auf den Plan

Kalkulieren, kombinieren, durchchecken, ins Detail gehen
einerseits

Die Dinge voll überschauen und im Griff haben, das Ganze kontrollieren andererseits.

Es gibt immer etwas zu verbessern – schön wäre es jedoch, wenn Verbesserungsansätze einem natürlichen Wachstumsfluss unterliegen dürfen und nicht vom inneren Dauer-Antreiber, -Kritiker oder -Zweifler permanent in Gedanken und Handlungen untergraben werden.

Das Kritik-Monster macht keinen Halt, wenn du ihm nicht Einhalt gebietest.

#02  Ohne „mich“ geht es nicht 

Der/die selbsternannte Kritik-Chef/Kritik-Chefin möchte die Lage kontrollieren zur Rettung der „Unverständigen, der Langsamen, der Faulen, der Fein-Spürenden“ inneren Anteile oder Menschen im außen.

 „Man muss den/die Anderen doch auch mal kritisieren dürfen, konstruktiv kritisieren.“

#03  Im inneren Team

Im inneren Wohnzimmer ist der/die Kritik-MitbewohnerIn nie zufrieden: „Ich bin nicht gut/nicht schnell/nicht genau/nicht effizient genug! „. Ich muss besser sein!  Spricht dieses Teammitglied und bringt damit die anderen inneren Anteile in große Verunsicherung.

Anders wie möglicherweise in einem äußeren Team haben wir niemand der gut für uns sorgt und sich möglicherweise für uns einsetzt vor dem Zugriff des Kritik-Monsters, außer wir selbst.

#04  Den inneren Kritik-Anteil vollständig wahrnehmen

Deinen inneren Kritik-Anteil zu hassen oder zu hoffen, dass er von selbst verschwindet wirst du schon auf deiner Agenda abgearbeitet haben. Mit welchem Ergebnis? Ausgrenzen ist vermutlich nicht die beste Wahl, denn vermutlich wird das Kritik-Monster vor der Tür stehen und penetrant wieder den Eintritt ins Team erzwingen wollen – zu Recht.

Den „störenden“ Anteil mit ins Boot zu nehmen, ist vermutlich die geschmeidigere Art, mit ihm dauerhaft zurecht zu kommen.

Die Frage ist also: Wie kann ich mit meinem inneren Kritiker-Anteil am besten konstruktiv zusammenarbeiten? Wie kann aus dem Monster ein verlässlicher Teamplayer werden?

Zwischen Teammitgliedern gibt es unterschiedliche Ziele und Werte! Alle haben auf ihre Weise recht. Was ist also die spezifische Form der Weisheit, in dem was dein innerer Kritik-Anteil von sich gibt? Was ist sein spezifischer Beitrag zu einer guten Lösung und worin strebt er nach Würdigung?

#05  Was ist der Auftrag?

Frage dich: Wie könnte ich den Auftrag meines Kritikanteils am ehesten beschreiben?

Könnte dieser Anteil ein/e Sicherheitsbeauftragte/r zu sein?
Oder ein/e HüterIn des Details oder
ein/e KontrolleurIn, um den großen Überblick nicht zu verlieren?

Nimm dir einige Minuten Zeit, um deinen inneren Kritiker-Anteil mit seinem Hauptanliegen wahrzunehmen und formuliere deine eigenen Worte, wie du die Absicht des Anteils am treffendsten formulieren könntest.

#06  Unter Kritik stehen 

Möglicherweise ist dein Kritik-Anteil gar nicht so erwachsen, wie er sich gibt. Möglicherweise setzt dieser Anteil etwas fort, was er in früherer Zeit am eigenen Leib erlitten hat oder sogar heute noch erleidet.

Die Stimme einer erwachsenen Person zum Beispiel, die unermüdlich an dir herumgenörgelt oder dich kritisiert hat oder es heute noch tut. Frühere Erziehungspersonen, die auch heute noch ihren Einfluss auf dich ausüben, Autoritätspersonen im früheren Schul- oder Vereinskontext zum Beispiel , ein heutiger Chef oder eine Chefin oder ein früherer oder gegenwärtiger Partner.

#07  Die Spuren führen zurück 

Ein innerer Kritiker als verletzter Anteil agiert zwar in der Gegenwart oder ängstlich mit Blick auf die Zukunft jedoch speist sich seine Angst nicht vorrangig aus der gegenwärtigen Realität sondern aus früheren Erfahrungen. 

Um sich um einen störenden Kritiker-Anteil zu kümmern und ihn zu integrieren, ist es möglich, sich im sicheren beraterisch-therapeutischen Kontext mit einstigen Verletzungen oder innerpsychischen Übernahme-Dynamiken zu befassen. 

#08  Die lebensfreudigen Anteile befreien

Bekommt der Kritik-Anteil seinen gemäßen Platz, dann balanciert sich das innere Team aus.

So kommen auch andere innere Anteile wieder leichter in die „Wiederbelebung“: Kreative, abenteuerlustige, lustvolle, vergnügte Anteile können wieder aufatmen.

Der innere Kritiker-Anteil darf dann zwar noch da sein, als Wächter oder als ruhiger Bedenker zum Beispiel, jedoch nicht als Bedrohung für die unversehrten, lebensfrohen Anteile, die für uns die Quelle von Kreativität, Leidenschaft und Lebenslust sind.

#09  Der Kritiker oder Nörgler im Außen schafft Distanz und büßt Nähe ein

Kritik führt zu Distanz. Wir gehen bei Kritik durch andere Personen innerlich auf Distanz – um uns zu schützen. Auch werden meist vermehrt Fehler begangen im Umfeld eines sehr kritischen Menschen.

In der Partnerschaft ständig Kritik zu erhalten, ist nicht nur schlecht für die Erotik – denn es gibt einen engen Zusammenhang zwischen häufiger Kritik und seltenem Sex in der Beziehung – sondern auch für das entspannte Zusammenleben und Wohlgefühl im Alltag.

#10  Die Kritik-Beflissenen

Die Kritik-Beflissenen begründen die Kritik gegenüber dem Partner oder der Partnerin möglicherweise damit, dass sie selbst bei der Arbeit Kritik gewohnt sind.

Sie legen ein Verhalten an den Tag, wie bei einem Kreuzverhör im Gerichtssaal oder sie wollen die häuslichen Abläufe in der Familie wie die betrieblichen Abläufe steuern und verbessern.

Möglicherweise haben sie auch in ihrer Kindheit zwischen den Eltern oder von den Eltern zu den Kindern genau diesen kritisierenden, antreibenden oder nörglerischen Ton mit aller Vehemenz über Jahre erlebt, unbewusst übernommen und dieses Verhalten bis heute nie hinterfragt.

#11  Sich selbst Erleichterung verschaffen wollen

In die Beratung-Praxis kommen auch Ratsuchende, die nun selbst spüren, dass sie sich nicht gut fühlen, wenn sie sich in ihrem Dauernögler-/ oder permanentem Kritik- oder Antreiber-Anteil wiederfinden. Die Signale oder der Widerstand der Umwelt wird nun angenommen und die Einsicht, sich selbst verändern zu wollen, wächst.

Der Übergang von der beruflichen Sphäre, in der manchmal auch Härte zählt und Ellenbogenmentalität, in den privaten Bereich, in dem es um die Gefühle der Beteiligten gehen sollte, fällt manch einem heute schwer.

#12  „Konstruktive Kritik“ statt emotionaler Zuwendung

Konstruktiv kritisieren zu wollen oder sich mit Kritik behaupten oder durchsetzen zu wollen, verschafft der Kritik in den Augen vieler, vor allem gebildeter Menschen, eine hohe Berechtigung. Die moderne Entwicklung einer distanzierten Gesellschaft erlaubt insbesondere im Geschäftsleben keine emotionale Nähe.

Gerade gebildete Paare führen dieses distanzierte Verhalten auch in der Partnerschaft fort. Sie gehen nicht aufeinander ein. Sie nehmen die Wünsche und Bedürfnisse des anderen nicht ernst. Sich einfach gemeinsam über etwas zu freuen scheint immer unmöglicher. Das schadet der Beziehung.

#13  Die Alternative zur Kritik – den Wunsch/die Bitte aussprechen

Dankbarkeit und Lob sind die positiven Gegenstücke zur Kritik. Dankbarkeit und Lob stärken die Wohlfühl-Speicher einer Partnerschaft und sollten möglichst oft ihren Platz im gegenseitigen Austausch finden.

Wenn gerade dies nicht so einfach ist, weil wirklich etwas „stört“, dann hat Störung Vorrang und Unmut darf und soll geäußert werden. Funktionierende Alternativen zur Kritik wären zum Beispiel:

Ärger und Wut kann ausgesprochen werden:
„Das ärgert mich….“
„Ich bin total wütend…“

Vorwürfe können in Wünsche umgewandelt werden!
„Ich bitte dich/ausdrücklich…“
„Ich wünsche mir/mehr…“

An den Kritiker/die Kritikerin im Außen:

„Ich wünsche mir, dass du mich weniger kritisierst“
„Bitte sehe auch, was gut läuft…“

Um etwas zu bitten, sich etwas zu wünschen bedeutet anzuerkennen, dass wir den anderen mit seiner Kompetenz und seinem Sein als Ergänzung zu uns gerne bei uns haben. Er/Sie ist nicht unwichtig, sondern bedeutsam für mich.

#14  Feststellen

Feststellen können wir zu jeder Zeit etwas. Achtsamkeit walten zu lassen, ob eine Feststellung Kritik beinhaltet, letztendlich jedoch Ärger in der Tiefe schlummert, ist das, was es zu erkennen gilt. Was ist der Grund für das ständige Kritisieren?

Für die meisten Menschen ist es gar nicht so leicht, eine Feststellung ohne kritischen Unterton auszusprechen, da die emotionalen Wirren für sie selbst im Moment nicht durchschaubar sind.

Zumeist haben wir in der Kinderstube nicht gelernt, dass schwierige Themen ohne „beleidigt sein, ignorieren oder Schuld zuweisen“- als einige von mögliche Varianten – vermittelt wurden.

Daher benötigt es möglicherweise nun etwas Training auch Gespräche mit Differenzen führen zu können, ohne sich kritisierend und komplett emotionslos über den anderen zu stellen oder andererseits dem Kritisierenden machtlos gegenüber zu stehen.

#15  Die innere Haltung filzen

Zumeist ist es die innere Haltung, die aufgrund von Ärger oder Wut über eine Angelegenheit eine Feststellung beim Sprechen in einen Vorwurf oder Kritik verwandelt.

Manchmal ist es jedoch auch so, dass eine Feststellung beim anderen als Vorwurf oder Kritik ankommt, obwohl die Feststellung ruhig geäußert wird ohne kritische Maßregelung. Auch andere Beteiligte in einer Situation bestätigen dies möglicherweise. 

#16  Bei aller Achtsamkeit wird die Feststellung empfindlich aufgefasst 

Es ist möglich, dass der/die betroffen Reagierende aufgrund früherer Erfahrungen von Anschuldigungen sehr schnell überreagiert und sich aufgrund seiner „weißen Weste“, die er mit aller Macht erhalten möchte, oder seiner Angst, die nicht zum Vorschein kommen darf, eine ruhig gesprochene reine Feststellung nicht akzeptieren möchte. 

Eine rote Jacke ist dann grün!

Oder die erste Killerphrase wird unmittelbar als Conter eingesetzt  „Es liegt nicht an mir! Du…..“

#17  Kommunikation wie im Paradies

Eine Feststellung mit anschließende Angebot/Einladung/Frage wäre zum Beispiel:

„Wir haben in den letzten Monaten keine Zeit mehr alleine gehabt. …
Ich vermisse das. …
Ich vermisse dich. …
Ich vermisse die körperliche Nähe….
Ich würde das gerne ändern.

Und du, möchtest du das auch ändern?

Hast du eine Idee, was wir beide da tun können?“

Kein Vorwurf – sondern eine Feststellung – authentisch und leicht!
Die Sätze werden in der Ich-Form gesprochen – wunderbar!
Gefühle werden ausgesprochen – traumhaft!
Der Partner/die Partnerin wird gefragt, wie sie dazu steht und eingeladen, sich gemeinsam über eine Lösung Gedanken zu machen – excellent!

Der Partner/die Partnerin wird deutlich positiver auf so eine Ansprache reagieren, als auf eine Kritik – oder gar auf eine Kritik mit anschließender Beschuldigung.

Diese Bemühung eines Kontaktangebotes darfst du wertschätzen und solltest nicht darüber hinweg gehen. 

Fragen dürfen beantwortet werden 🙂

#18  Anleitung zur Selbstreflexion

Soll oder kann ich einen Menschen „ändern“?

Ich glaube es nicht.
Wenn ich ihm helfen kann, 
sich selbst ein wenig deutlicher zu werden, ist es viel. 
Dass Verborgenes hervortritt,
oder Störendes zurücktritt,
ist viel.
Veränderung ist dann eine ganz natürliche Folge.

Zur Vertiefung von einzelnen Themen empfehle ich dir die Teilnahme an meinen Seminaren.

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Achtsamkeit und Selbstliebe
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